Aus David Hume, Eine Untersuchung über die Prinzipien der Moral, 1777.
«Doch die Historiker und sogar der gesunde Menschenverstand können uns belehren, dass diese Ideen von einer vollkommenen Gleichheit, so bestechend sie auch zu sein scheinen, im Grunde tatsächlich undurchführbar sind; und dass sie, selbst wenn sie es nicht wären, doch äusserst schädlich für die menschliche Gesellschaft sein würden. Wie gleichmässig Eigentum auch verteilt sein mag, der unterschiedliche Grad an Geschicklichkeit, Sorge und Fleiss wird diese Gleichheit sofort durchbrechen. Hindert man aber die Entwicklung dieser Tugenden, drückt man die Gesellschaft auf das Niveau äusserster Armut herab; und anstatt Not und Bettelei bei einigen wenigen zu verhindern, macht man sie für die ganze Gesellschaft unabwendbar. Auch wäre die genaueste Überwachung notwendig, um jede Ungleichheit bei ihrem ersten Auftreten zu bemerken; und die strengste Gerichtsbarkeit, um sie zu bestrafen und zu beseitigen. Aber abgesehen davon, dass so grosse Machtkonzentration bald in Tyrannei ausarten und mit grosser Parteilichkeit ausgeübt werden müsste; wer könnte sie in einer solchen Situation, wie sie hier angenommen wird, überhaupt innehaben? Vollkommene Gleichheit an Besitz führt, indem sie jede Unterordnung zerstört, zu weitestgehender Schwächung der Regierungsautorität und muss alle Macht, ebenso wie das Eigentum, nahezu restlos nivellieren.» (S. 114)
«Zu derselben Gruppe von Tugenden wie der Mut gehört auch jene unterschütterliche philosophische Ruhe, die erhaben ist über Schmerz, Leid, Angst und alle widrigen Schicksalsschläge. Im Bewusstsein seiner Tugend, sagen die Philosophen, erhebt sich der Weise über alles, was ihm im Leben widerfährt; und blickt, im Tempel der Weisheit sicher geborgen, auf niedrige Sterbliche herab, die damit beschäftigt sind, nach Ehre, Reichtum, Ansehen und jedem nichtigen Vergnügen zu jagen. Diese Anforderungen, wenn sie auf die Spitze getrieben werden, sind ohne Zweifel bei weitem zu hoch für die menschliche Natur. Sie haben jedoch etwas Grossartiges an sich, das den Betrachter ergreift und ihn mit Bewunderung erfüllt. Und je mehr wir uns in der Praxis dieser erhabenen Ruhe und Gleichgültigkeit nähern können (denn wir müssen sie von einer dumpfeln Gefühlslosigkeit unterscheiden), desto ungetrübtere Freude werden wir in uns selbst finden, und desto mehr charakterliche Grösse werden wir gegenüber der Welt an den Tag legen. Die philosophische Ruhe darf tatsächlich nur als eine Art von Seelengrösse betrachtet werden.» (S. 182 und 183)
Hume bringt die wesentlichsten Gedanken enorm präzise und umfassend auf den Punkt. Man bemerkt, woher Smith seine Argumente bezog.