Es ging wiedermal traurig zu und her am Freitagabend in der Fernsehlandschaft Schweiz. Keine valable Alternative zum Leuthard-Loblied in der Arena des Schweizer Fernsehen.
Was mich aber am meisten regelrecht aus den Socken gehauen hat, waren — wiedermal — die sogenannten Politologen oder Politwissenschafter oder Meinungforscher oder wie die sich auch immer bezeichnen. Frau Regula Stämpfli und Herr Claude Longchamp gaben Statements von sich, die mich — wiedermal — sehr erstaunten. Was sollen und wollen diese “Experten”, ausser sich selbst darzustellen? Es hat ja herzlich wenig mit Expertentum — da wird doch häufig auf Objektivität gepocht — zu tun, wenn sich Herr Longchamp als feurigen Leuthard-Fan outet und dabei in seinem unaufhaltsamen Redestrom sogar Urs Paul Engeler “an die Wand redet”.
Oke, ich gebe zu. Regula Stämpfli entspricht wohl nicht ganz meinem “Sympathieideal”, allerdings bildeten sich jedem aufmerksamen und kritischen Zuhöhrer arge Stirnrunzeln, als die Politologin die Runde “aufklären” wollte, was Frauen alles für die Armee getan haben. Ich kritisiere nicht den Inhalt ihrer Aussage, den kann ich nicht beurteilen. Jedoch scheint die Politwissenschafter ein gewisses Defizit in Sachen Diskussionskultur zu zeigen, wenn sie ihren Gegenüber zu verstehen gibt, dass sie die Weisheit gleich “mit den Haaren gefressen” hat und nun uns belehren muss. So wendet sich jeder — sollte er nicht gleich ein blinder Fan (Student?) sein — ab und nimmt als Antwort nicht mehr den Inhalt ins Visier, was man als Eigentor bezeichnen könnte, sollte der Frau etwas an ihrer Mitteilung gelegen sein.
Weshalb sich Herr Longchomp so von Herrn Engeler aus dem Konzept bringen liess, ist mir ein Rätsel. Das Aushängeschild eines Meinungsforschungsinstituts hat sich hier für mein Dafürhalten einen bösen Patzer geleistet. Er hat klar pro-CVP und Anti-SVP Position bezogen und so seinem Arbeitgeber einen Bärendienst erwiesen. Forschung hat ja bekanntlich viel mit Reputation und Glaubwürdigkeit zu tun, so nicht anders bei Meinungsforschung. Steht gfs.bern drunter, heisst das, es kommt von Longchomp oder ging sicher mal über seinen Tisch.
Eigentlich aber alles nicht viel Neues, Stämpfli und Longchamp sind ja keine unbeschriebenen Blätter, insbesondere nicht im Staatsmedienhaus SF.